
Ist da noch Liebe unter diesem Schutthaufen von Alltagssorgen?
Vielleicht fühlt es sich so an, als wäre da gar keine Liebe mehr. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass sie oft noch da ist – begraben unter einem Schutthaufen an Alltagssorgen, Schlafmangel und mentaler Belastung. Deshalb spürt ihr gerade wenig Verbindung. In der Beratung können wir diesen Haufen Stück für Stück abtragen und nachsehen, was darunter liegt.
Wenn das Gespräch nur noch Terminplanung ist
Ihr redet nur noch über die Alltagsorganisation: Wer übernimmt was, welche Termine stehen an, wie geht es den Kindern. Für andere Gesprächsthemen bleiben weder Zeit noch Kraft. Wenn die Kinder im Bett sind und das Nötigste im Haushalt erledigt ist, seid ihr froh, wenn ihr nur noch stumpf durchs Handy scrollen müsst. Oder ihr schlaft direkt ein. Kuscheln, Zärtlichkeit, persönliche Gespräche? Bitte nicht, ihr seid doch froh, wenn mal keiner was von euch will.
Einsam zu zweit
Und doch sehnt ihr euch nach Verbindung. Ihr fühlt euch oft schrecklich einsam, obwohl ihr fast nie allein seid – vielleicht nicht mal auf dem Klo. Wieder und wieder nehmt ihr euch vor, euch wieder um mehr Nähe und Verbindung zu bemühen, scheitert dann aber an der eigenen Müdigkeit. Vielleicht habt ihr auch Angst vor Ablehnung: Was, wenn der andere euch gar nicht mehr will? Vielleicht seid ihr ja allein mit dem Wunsch nach mehr Zweisamkeit.
Das ist kein Versagen
Die Wahrheit ist: Ihr seid damit nicht allein. Den meisten Paaren mit Kindern geht es so. Das, was da zwischen euch passiert, ist kein individuelles Versagen. Kein Zeichen dafür, dass ihr euch "nicht genug liebt". Sondern eine typische Nebenwirkung einer Lebensphase, die uns geistig und körperlich an unsere Grenzen bringt. Schlafmangel, Stress, Sorgen, unterschiedliche Lebensrealitäten (wenn eine*r den Großteil der Care-Arbeit erledigt), unmenschliche Erwartungen von außen und (fast noch schlimmer) von innen: Das bringt auch die stärkste Liebe ins Wanken. Oder besser: Die Liebe wird verschüttet und ist nicht mehr greifbar.
Klein anfangen
Euer Zustand ist also normal – aber trotzdem veränderbar. Und diese Veränderungen müssen gar nicht so monumental sein, wie es sich vielleicht erst mal anfühlt. Es kann damit beginnen, sich hin und wieder zu umarmen, eine Hand auf den Arm zu legen und zu signalisieren: Ich sehe dich. Kleine Inseln zu schaffen, in denen ehrlicher Austausch möglich ist, ohne sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. In eine Haltung zurückzufinden, die wohlwollend ist: Ich weiß, du willst mich nicht ärgern. Sich daran zu erinnern, was euch aneinander anzieht, was ihr aneinander schätzt.
Wenn ihr merkt, dass ihr das alleine nicht schafft – das ist kein Scheitern. Manchmal braucht es jemanden von außen, der den Raum hält, damit ihr wieder miteinander reden könnt. Dafür bin ich da.